- Arbeit im Weinberg -
Auf unserem Weingut haben wir uns seit jeher zu einem Weinbau entschlossen, der sich mit dem Terroir d. h. mit der einzelnen Weinlage auseinandersetzt. Das außerordentliche Potential der Bergheimer Gipsmergelböden liefert tiefe, volle Weine mit außerordentlicher Reifefähigkeit. Damit der Wein dieses Potential zum Ausdruck bringt, müssen wir ständig darauf bedacht sein, dass der Wein optimal gedeiht. Es verlangt fundierte Bodenkenntnisse, um zu jedem Zeitpunkt des Jahres genau das Richtige zu tun, damit sich der Wein so gut wie möglich entfalten kann.
Weiter finden wir im Boden größere Anteile, die auch dem Gesteinsabbau entstammen: Schlick, Sand und schließlich die großen und mehr oder weniger häufig vorkommenden Steine. Zusammen mit dem Ton machen diese Elemente die eigentliche Qualität des Bodens aus. Schließlich enthält der Boden Wasser, das er aus Regen, Schnee und unterirdischen Reserven erhält, die manchmal als Quelle an der Oberfläche hervorsprudeln. Wir müssen dem Boden helfen, überflüssiges Wasser abzugeben, wenn es droht, die Wurzeln zu ersticken, und im Sommer müssen wir im Gegenteil dafür sorgen, dass nicht zuviel Wasser verdampft, damit der Wein genug davon aufnehmen kann, um reifen zu können.
DAS BODENLEBEN, UNENDLICHE VIELFALT AN LEBEWESEN Ohne die Bodenlebewesen könnte kein Wein wachsen. Da sind zunächst die Pflanzenreste zersetzenden Lebewesen, die sich von abgefallenen Herbstblättern, kleinen Rebenästen, Wurzel- und Kräuterresten ernähren. Der Boden enthält auch eine weitere, für den Wein wesentliche Komponente: eine Gruppe von Wurzelpilzen, die man Mycorhizen nennt. Das Myzel dieses Pilzes verbreitet sich im Boden und nimmt den Bodenphosphor auf. Im Austausch mit den Zuckerstoffen, die die Rebenwurzeln ihm geben, bieten die Mycorhizen dem Wein den Phosphor an. Dieser für Pilz und Pflanze lebenswichtige Austausch zeigt, dass Solidarität für die Aufrechterhaltung des Lebens ein wichtiger Prozess ist. Weiter finden wir Regenwürmer, deren Gänge den Boden lüften. Schließlich gedeihen auf dem Weinberg eine Menge an Wildpflanzen, die einer bunten Vielfalt an Insekten, Schmetterlingen und Bienen Unterschlupf und Nahrung bieten. Damit der Wein optimal wächst und reift, müssen wir all diese Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen des Bodens verstehen.
BODENBEARBEITUNG, EINE TRADITION IM WANDEL
Mit einem System aus Zinken und Messern entfernen wir den Gras- und Kräuterwuchs, wenn er droht, dem Wein seinen Entwicklungsraum zu nehmen. Gegen Ende des Sommers lassen wir Gras und Kräuter wachsen, um bei der Weinlese einen duftenden grünen Teppich unter den Füßen zu haben.
EINBRINGEN VON ORGANISCHEM MATERIAL: in Gemeinschaftsarbeit
Diese natürliche Bodenverbesserungstechnik erfordert eine komplexe Organisation und Zusammenarbeit. Im Elsass haben sich seit mehreren Jahren alle Weinbauern, die mit dieser Technik arbeiten, zur Vereinigung VIGNES VIVANTES zusammengeschlossen. Benachbarte Dörfer stellen zusammen den Kompost für den Bedarf jedes Weinbauern her. Regelmäßig treffen sich die Weinbauer in den Weinpflanzungen und tauschen sich aus über die beste Art, die verschiedenen Böden zu führen. Ein unabhängiger Techniker führt in Zusammenarbeit mit einem Labor eingehende Bodenanalysen durch. Die Ergebnisse können so unter den Weinbauern ausgetauscht werden und solide wissenschaftlich belegt werden.
BIODYNAMISCHER WEINBAU: FACHLICH-TECHNISCH ANSPRUCHSVOLL Die meisten elsässischen Weinbauern, die biologisch wirtschaften, haben sich für die Biodynamik entschieden, die traditionelle Weinbaukenntnisse mit moderner und wissenschaftlicher Anbautechnik verknüpft.
DAS WACHSTUM DES WEINS BEDARF STÄNDIGER PFLEGE Anfang April beginnt die Wachstumsperiode des Weins, wenn es ausreichend warm ist. Zahlreiche Knospen beginnen zu treiben, solche, die beim Beschneiden ausgewählt wurden, und viele unerwünschte, vorwiegend am alten Rebstock. Diese müssen wir entfernen, damit der Weinstock licht heranwächst und nur so viele Trauben hervorbringt, wie gewünscht wird. Dann strecken sich die Weinranken gen Himmel und versuchen, so hoch wie möglich hin zum Licht zu wachsen. Wir unterstützen sie bei ihrem Wachstum, indem wir die Ranken am Spalier festbinden. Im Hochsommer hemmen wir das Wachstum und schneiden den überschüssigen Anteil der Rebzweige weg. Der Wein bleibt nie unbeobachtet, der Winzer ist sein ständiger Begleiter, damit er das Licht und die Wärme der Sonne optimal zur Traubenreifung nutzen kann. |